Der Mythos über Fett

Der Mythos über Fett

Warum Fett lange als Ursache für Übergewicht galt

Über viele Jahre wurde Fett als Hauptursache für Übergewicht dargestellt. Der Grund dafür liegt vor allem in seiner hohen Energiedichte. Fett liefert mit etwa 9 Kalorien pro Gramm mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate oder Protein. Daraus entstand die einfache, aber falsche Schlussfolgerung, dass Fett automatisch zu Körperfett führt.

Diese Denkweise war lange Zeit weit verbreitet, ist jedoch aus heutiger wissenschaftlicher Sicht zu stark vereinfacht. Der menschliche Körper funktioniert nicht nach einzelnen Lebensmitteln oder Makronährstoffen, sondern nach einem übergeordneten Prinzip: der Energiebilanz.

 

Die Kalorienbilanz entscheidet über Fettaufbau und Fettverlust

Ob der Körper Fett speichert oder abbaut, hängt maßgeblich davon ab, wie viel Energie aufgenommen und verbraucht wird. Nimmt man langfristig mehr Kalorien auf, als der Körper benötigt, entsteht ein Überschuss. Dieser wird unter anderem in Form von Körperfett gespeichert. Liegt dagegen ein Kaloriendefizit vor, greift der Körper auf seine Energiereserven zurück und reduziert Körperfett.

Ein besonders anschauliches Beispiel liefert eine kontrollierte Stoffwechselstudie von Hall et al. (2015). In dieser Untersuchung wurden zwei Diäten miteinander verglichen: eine fettreduzierte und eine kohlenhydratreduzierte Ernährung. Das entscheidende Ergebnis war, dass der Fettverlust nicht davon abhing, ob weniger Fett oder weniger Kohlenhydrate gegessen wurden, sondern davon, dass ein Kaloriendefizit bestand.

Studie: Hall, K. D. et al. (2015)

[1] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26278052/

Warum Fett trotzdem ein wichtiger Bestandteil der Ernährung ist

Fett erfüllt im Körper essenzielle Funktionen und ist weit mehr als nur ein Energieträger. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Aufnahme fettlöslicher Vitamine wie Vitamin A, D, E und K. Außerdem ist Fett an der Produktion wichtiger Hormone beteiligt, darunter auch Testosteron.

Eine zu geringe Fettzufuhr kann sich negativ auf die hormonelle Balance auswirken und langfristig Leistungsfähigkeit sowie Regeneration beeinträchtigen. Studien zeigen, dass insbesondere sehr fettarme Ernährungsweisen mit niedrigeren Testosteronwerten verbunden sein können (Volek et al., 1997).

Studie: Volek et al., 1997
[2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9405716/

Gesunde und ungesunde Fette: Der entscheidende Unterschied

Nicht alle Fette haben die gleiche Wirkung auf den Körper. Entscheidend ist die Qualität der Fettquellen.

Ungesunde Fette, insbesondere industrielle Transfette, entstehen häufig durch starke Verarbeitung und kommen vor allem in Fertigprodukten, frittierten Lebensmitteln und industriellen Backwaren vor. Diese Fette stehen in direktem Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und entzündliche Prozesse im Körper (Mozaffarian et al., 2006).

Im Gegensatz dazu wirken ungesättigte Fettsäuren, wie sie beispielsweise in Nüssen, Fisch, Olivenöl oder Avocados vorkommen, unterstützend auf die Gesundheit. Besonders Omega-3-Fettsäuren zeigen entzündungshemmende Effekte und können das Herz-Kreislauf-System positiv beeinflussen (Calder, 2015).

Studie: Mozaffarian et al., 2006
[3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16825686/

Studie: Calder, 2015
[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25626016/

Subkutanes vs. viszerales Fett: Warum nicht jedes Körperfett gleich ist

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Unterscheidung zwischen verschiedenen Fettarten im Körper. Nicht jedes Fett hat die gleiche Bedeutung für die Gesundheit.

Subkutanes Fett ist das Fett, das direkt unter der Haut liegt. Es ist sichtbar und greifbar und erfüllt wichtige Funktionen wie Schutz, Energiespeicherung und Temperaturregulation. In einem normalen Maß stellt dieses Fett kein gesundheitliches Problem dar.

Viszerales Fett hingegen befindet sich tiefer im Bauchraum und umgibt die inneren Organe. Dieses Fett ist metabolisch aktiver und steht in enger Verbindung mit verschiedenen gesundheitlichen Risiken. Ein erhöhter Anteil an viszeralem Fett wird mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Insulinresistenz und Stoffwechselproblemen in Verbindung gebracht (Fox et al., 2007).

Der entscheidende Unterschied liegt also nicht nur in der Menge, sondern vor allem in der Lage des Fettgewebes im Körper.

Studie: Fox et al., 2007
[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17200155/

Fazit: Fett ist nicht der Feind

Fett ist ein essenzieller Bestandteil unserer Ernährung und übernimmt zahlreiche wichtige Aufgaben im Körper. Die Vorstellung, dass Fett automatisch dick macht, ist wissenschaftlich nicht haltbar.

Vielmehr zeigt die Forschung klar, dass die Kalorienbilanz der entscheidende Faktor für Fettaufbau und Fettverlust ist. Gleichzeitig sollte der Fokus auf hochwertigen Fettquellen liegen, die den Körper unterstützen und nicht belasten

Nicht Fett ist das Problem – sondern fehlendes Verständnis für Ernährung.

Quellenverzeichnis:

 

Studie: Hall, K. D. et al. (2015)

[1] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26278052/

Studie: Volek et al., 1997
[2] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9405716/

Studie: Mozaffarian et al., 2006
[3] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16825686/

Studie: Calder, 2015
[4] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25626016/

Studie: Fox et al., 2007
[5] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17200155/

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